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Tauchen und Wracktauchen an der Ostsee in Timmendorfer Strand

Im September waren wir ein paar Tage an der Ostsee um uns dort ein paar Wracks anzuschauen. Angeblich liegen ja ca. 600 Wracks in der Ostsee von denen auch viele in erreichbarer Tiefe für Taucher liegen.

Zuvor hatte ich ein wenig im Internet recherchiert und bin dabei auf das Tauchsportzentrum Timmendorfer Strand gestoßen. Die Basis unter Leitung von Oliver Volz bietet unter anderem Tauchgänge vom Schlauchboot oder einem Kutter an mit dem verschiedene Wracks angefahren werden.

Am ersten Tag wurden wir begrüsst und bekamen ein Basisbriefing. Im Grunde ist hier alles vorhanden, was man benötigt. Toiletten, Nassbereich für das Gerödel, Umkleidezone und ein überdachter Aufenthaltsbereich. Unser Tauchequipment konnten wir über Nacht dort lassen und auch die Anzüge konnten zum trocknen aufgehängt werden.

Anschließend ging es dann zum Strand, wo uns zunächst das "Hausriff" in Form eines Steinfeldes erklärt wurde. Außerdem wurden wir mit einigen heimischen Geflogenheiten vertraut gemacht. Somit waren wir für unsere ersten Tauchgänge vom Strand am nächsten Tag vorbereitet.

Die Ostsee ist in der Lübecker Bucht recht flach, so dass man bei Tauchgängen von Land sich in Tiefen von ca. 8 Metern aufhält. Bei unseren ersten Tauchgängen vom Strand aus mussten wir zunächst recht flaches Gewässer durchqueren, was grundsätzlich kein Problem gewesen wäre, wenn nicht so viele Feuerquallen unterwegs gewesen wären. Leider hatten wir das Pech recht viele Quallen in den paar Tagen anzutreffen. Besonders in flachen Gewässern ist das nicht so schön, da es dann schwierig ist an den Quallen vorbei zu tauchen. Sobald man 4-5 m Wassertiefe hat, ist es kein Problem unter den Quallen herzutauchen, da sich diese zumeist zwischen 0-3 m aufhalten.

Die ersten Tauchgänge vom Strand

Sobald man ein paar Meter in die offene Ostsee getaucht ist, sieht man sehr schöne Seegraswiesen mit allerhand kleinen Lebewesen. Alle Arten von Gundeln, Seesterne in Farbvariationen von Braun bis Lila und Seegrasnadeln bevölkern dieses Gebiet. Daneben sieht man sehr häufig Krebse, die sich flink seitwärts bewegen oder gerade einen Boxkampf mit einem Nebenbuhler austragen. Ab und zu kann man dann auch mal einen Butt antreffen, der sich voll auf seine Tarnung verlassend nicht von der Stelle bewegt.

Etwas weiter draußen liegen vorm Timmendorfer Strand einige größere Steinblöcke, die üppig mit Muschlen und Seeanemonen überwachsen sind. Hier findet man ebenfalls sehr viele Fische und tausende von kleinen durchsichtien Garnelen.

Der zweite Tag: Auf dem Kutter

Am zweiten Tag hatten wir leider richtig Pech mit dem Wetter. Am morgen regnete es ununterbrochen, so dass unsere Anzüge schon nass waren, bevor wir sie an Bord gebracht hatten.

Der Fischkutter "Neptun" liegt in Neustadt, etwa 15 min von Timmendorf entfernt. Zu viert war der Platz an Bord absolut ausreichend, sechs Taucher dürften hier auch noch gut Platz haben, aber darüber wird es dann so eng, dass man kaum noch von Spaß reden dürfte. Zusätzliches Manko ist die fehlende Toilette. Wenn man mehrere Stunden unterwegs ist, dann sollte doch eine Lösung für die menschlichen Bedürfnisse her. Wie wir dieses Problem gelöst haben will ich an dieser Stelle nicht weiter ausschmücken :-)

Nichts desto trotz steuerten wir das erste Wrack an. Die "Lotsenkommandant Krause" liegt in einer Tiefe von 13-18 Metern und die Wrackteile dehnen sich über eine Fläche von ca. 30x120 Metern aus. Leider hat die Marine an diesem Schiff schon Sprengübungen durchgeführt, so dass der Rumpf an vielen Stellen stark beschädigt ist. Das hat wiederum aber den Vorteil, dass man beim Tauchen auch an vielen Stellen in dem Rumpf reinleuchten kann und dort das Treiben der Bewohner beobachten kann. Nach ca. 30 Minuten hat man dieses Wrack jedoch ca. dreimal umrundet und ausgekundschaftet. Aufgrund der Größe kann man sich an diesem Wrack in der Ostsee nicht so sehr lange aufhalten, dennoch ist es ein interessanter Tauchplatz an dem es einiges zu entdecken gibt.

Das zweite Tauch-Ziel war das Wrack der "Holstentor", welche nur ca. 15 Minuten Fahrt entfernt liegt. Hierbei handelt es sich um ein ca. 25m langes Holzschiff ohne Aufbauten. Durch die Öfnungen an Deck kann man sehr gut in das Innere hinein schauen. Das Wrack bietet Lebensraum für hunderte von Seesternen und Muscheln und ist daher fast komplett bewachsen. Ansonsten ist kein großer Unterschied zur "Lotsenkommandant Krause" auszumachen.

Dritter Tag: Tauchen in der Ostsee vom Schlauchboot

Am nächsten Tag trafen wir uns dann an der Basis in Timmendorf um vom Strand mit dem Zodiac zum Tauchen in der Ostsee aufzubrechen. Unser erstes Ziel war ein Tauchplatz vor Brodten.

Nach einer rasanten Fahrt im Zodiac über die leichten Wellen der Ostsee erreichten wir den Tauchplatz nach ca. 25 min. Nachdem wir uns angerödelt hatten, ging es mit einer Rückwärtsrolle ins Wasser.

Dort erwartete uns ein riesiges Muschelfeld. Der ganze Boden war über und über mit Miesmuscheln bewachsen welche vereinzelt mal durch kleine Seegrasoasen unterbrochen wurden. Aufgrund des guten Wetters an diesem morgen schien zudem die Sonne auf den Grund der Ostsee, so dass wir sehr schönes Licht beim Tauchen hatten.

Geboten bekamen wir ansonsten die üblichen Lebewesen der Ostseeküste. Gundeln, vereinzelt mal ein Steinbutt, Seegrasnadeln, Garnelen, Seesterne und natürliche die kämpfenden Krebse.

Alles in allem hatten wir an diesem Morgen einen sehr entspannten Tauchgang.

Nach einer Oberflächenpause an der Basis von ca. 1 Stunde rödelten wir wieder auf um in einer ganz kurzen Fahrt von nur 5 Minuten zur Seebrücke in Timmendorf zu gelangen.

Die Seebrücke ist sehr interessant, da dort öfter mal die Touristen von oben irgendwelchen Kleinkram fallen lassen. Von Sonnebrillen über Geld bis hin zu Digitalkameras kann man hier so ziemlich alles finden, was ein Urlauber bei sich trägt. Ansonsten kann man von der Seebrücke parallel bis zu einer Seeleitung tauchen welche ebenfalls vielen Lebewesen der Ostsee einen Lebensraum gewährt. An der Seeleitung entlang taucht man dann wieder in Richtung Boot.

Tag 4: Win weiterer Tag auf dem Kutter

An diesem Tag haben wir noch einmal eine kleine Kuttertour unternommen. Der erste Tauchplatz in der Nähe von Pelzerhaken war recht langweilig und bot eigentlich nichts interessantes.

Im zweiten Tauchgang steuerten wir dann den sog. Flaschengrund an. Ein Gebiet in der Nähe des Hafens von Neustadt wo man vereinzelt auch noch diversen Militärschrott wie Munition und alte Waffen findet. Unsere Ausbeute war eine Messing-Schiffsschraube mit einem Durchmesser von ca. 50 cm.

Fazit:

Alles in allem war es eine sehr schöne Abwechslung. Ich hätte nicht gedacht, dass die Ostsee so viel zu bieten hat und die Sicht so gut ist. Nach 5 Tagen ist dann aber auch langsam die Luft raus, da die Tauchplätze kaum etwas Neues bieten.

Das Tauchsportzentrum Timmendorfer Strand hat uns eine gute Betreuung geboten und bietet eine sehr gute Infrastruktur an der Basis. Einzig das Manko der fehlenden Toilette an Board des Kutters ist nicht wirklich schön und könnte besonders bei Frauen zu einem kleinen Problem werden.

Als deutsches Tauchrevier kann ich die Ostsee jedoch absolut empfehlen. Hier gibt es viel mehr zu sehen als in manchem Stausee der Republik.

Weitere Bilder findet Ihr in der Ostsee-Galerie (leider keine Unterwasser Aufnahmen)

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